St. Martin Sendenhorst

Die Pfarrkirche in Sendenhorst ist dem heiligen Martin von Tours (316-397) gewidmet. Obwohl keine Urkunden vorliegen, deutet dieses Patrozinium auf eine Gründung der Pfarre im 9. Jahrhundert hin, als die Franken die heidnischen Sachsen christianisierten.

Martin von Tours (316 - 397) - ein Heiliger in Zeiten des Umbruchs

Martin von Tours lebte in einer Zeit des Umbruchs. Mit dem Toleranzedikt von Mailand 313 wurde das Christentum zunächst erlaubt und im 5. Jahrhundert sogar zur Staatsreligion erklärt. Nun wurde der christliche Glaube nicht alleine eine Frage der inneren Überzeugung - der Übertritt zum Christentum konnte gesellschaftliche Vorteile bringen. Schriftliche Zeugnisse über Martin von Tours sind rar - oft mit frommen Legenden verbunden - und erst viele Jahre nach seinem Tod entstanden. Einige Eckdaten aus seinem Leben lasssen sich aber rekonstruieren:

  • Geboren 316 oder 317 nach Christus in einer kleinen Stadt im heutigen Ungarn, damals Römisches Reich, als Sohn recht wohlhabender Eltern. Der Vater bekleidete einen hohen Posten in der römischen Armee. Die Auflösung des jahrhundertealten Römischen Weltreiches deutet sich aber schon an.
  • Aufgewachsen in Pavia, einer Stadt in Italien. Mit 15 Jahren zwangsweise Eintritt in die römische Armee, die angesichts fremder Angriffe aufrüsten musste.
  • Militärischer Einsatz in Frankreich, im Alter von etwa 16 Jahren Begegnung mit dem Bettler vor den Toren von Amiens, Geschichte der Mantelteilung.
  • Christliche Taufe mit etwa 18 Jahren - in einer Zeit, als Christ sein keineswegs selbstverständlich und eher schädlich für die Kariere war.
  • Mit etwa 20 Jahren verweigert er sich zum allgemeinen Entsetzen in Worms dem weiteren Heeresdienst, beendet so eine vielversprechende Karriere, kehrt in seine ungarische Heimat zurück, um auch seine Eltern vom christlichen Glauben zu überzeugen, war dabei aber nicht sehr erfolgreich.
  • In den Folgejahren kommt er noch in weiteren Gegenden Europas herum, lebt eine Zeitlang als Einsiedler.
  • Ab 360 sammelt er Gleichgesinnte um sich herum und gründet in Ligugé bei Poitiers das erste Kloster des Abendlandes.
  • Mit etwa 50 Jahren drängen ihn die Einwohner von Tours im heutigen Frankreich – offensichtlich gegen seinen Willen und gegen den Willen zahlreicher anderer Bischöfe Galliens –, das Amt ihres Bischofs zu übernehmen. Seit diesem Ereignis müssen übrigens die Martinsgänse den 11. November fürchten, verrieten sie doch sein Versteck, in dem er sich dem Drängen der Menschen entziehe wollte.
  • Martin von Tours macht sich einen Namen durch ein hohes Arbeitspensum, sein Engagement für die Probleme der Leute und sein mutiges Auftreten gegenüpber den Mächtigen des Reiches. Er gründet weitere Klöster und schafft wichtige Strukturen in der Kirche. Bereits zu Lebzeiten wird er zur Legende.
  • Er stirbt am im November 397 – also 80jährig – während einer Bischofsreise in Candes an der Loire, nicht allzu weit von Tours entfernt. In Tours wird er begraben. Martin von Tours ist damit der erste Heilige, der nicht den Martyrertod starb.

 

Die Geschichte der Pfarrkirche ist eng verbunden mit der Geschichte der Stadt Sendenhorst, deren Stadtpatron ebenfalls der heilige Martin ist. Während des letzten großen Stadtbrandes im Jahre 1806 wurde die romanische Vorgängerkirche so stark beschädigt, dass man sich schließlich zu einem Neubau entschloss. Auch musste die neue Kirche größer werden - schließlich war Sendenhorst auf etwa 1800 Einwohner angewachsen. Aufgrund finanzieller Engpässe konnte die Gemeinde aber erst 50 Jahre nach dem Brand mit dem Neubau beginnen. Die feierliche Kirchweihe fand am 15. November 1865 statt. Dem Zeitgeist des 19. Jahrhunderts entsprechend baute man im Stile der Neugotik. Der 75 Meter hohe Turm überragt bis heute alle Gebäude der Stadt. St. Martin ist bis heute Mittelpunkt der Stadt.

1842 schreibt Pfarrer Lorenbeck über die Bauplanung der Kirche

"Der Kirchenvorstand strebt unausgesetzt mit allen Kräften dahin, daß sobald wie möglich eine neue Kirche gebaut wird und zwar eine solche, die ohne Anlegung der verunstaltenden Hochkirche (Bühnen) sowohl vollkommen geräumig ist als auch durch Bauart und Einrichtung dem hohen Zweck und der Würde des Gotteshauses entspricht. Es ist indes klar, daß das bis jetzt vorhandene Baukapital, 11365 Taler wohl kaum die Hälfte der Baukosten decken kann, zumal nicht allein das Gebäude, sondern auch die ganze innere Einrichtung als Altäre, Orgel, Flur und Bänke neu zu schaffen ist und so mit dem Bau noch einige Jahre gezögert werden muß. Dann wurde beschlossen, daß wegen der Untauglichkeit der hiesigen Bruchsteine, das Kirchengebäude aus Ziegelsteinen auszuführen und zu diesem Zwecke in der Nähe von Sendenhorst eine Ziegelei anzulegen. Pfarrer Lorenbeck stellte Pastoratsgrundstücke auf dem Nienkamp hinter der Lehmkuhle zur Verfügung zur Ausbeutung des Lehmes. Im Jahre 1843 wurde durch die Verlegung des Friedhofs aus der Mitte der Stadt zum Osten ein für den Kirchenbau freies Gelände geschaffen."

 

Im 20. Jahrhundert hat man - insbesondere nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil - viele der neugotischen Ausstattungsgegenstände entfernt, weil man sich eine nüchternere Kirche wünschte. Moderne Kunstwerke ergänzten oder ersetzten die Ausstattung. Der bekannte Sendenhorster Künstler Bernhard Kleinhans schuf wichtige neue Kunstwerke für den Innenraum: Das Kreuz über dem Altar und den Altar selbst, das Ambo (Vorlesepult), Leuchter im Altarraum, das Weihwasserbecken am Kircheneingang. Die letzte Innenrenovierung 1988 gab der Kirche einige der erhalten gebliebenen ursprünglichen Gegenstände und Figuren zurück.

Ende der 90er Jahre stand ein Ersatz der alten und nur noch schlecht spielbaren Fleiter-Orgel aus dem Jahr 1940 an. Insbesondere die damals verbauten elektrischen Bauteile ließen sich kaum noch reparieren. So entschloss man sich zu einem Neubau der Orgel und konnte dafür den renommierten Orgelbauer Geroald Woehl aus Marburg gewinnen. Am 15. August 1999 wurde die neue Orgel in einem feierlichen Gottesdienst eingeweiht.  Seitdem finden auf dem renommierten Instrument immer wieder kirchenmusikalische Konzerte statt. Genauere Informationen zur neuen Orgel finden Sie auf den Seiten der Kirchenmusik.

 

Seit dem 1. Januar 2006 ist St. Martin die Pfarrkirche der neu gegründeten (fusionierten) Kirchengemeinde St. Martinus und Ludgerus in Sendenhorst und Albersloh.