St. Ludgerus Albersloh

Erste Besiedlungsspuren in Albersloh datieren auf das zehnte Jahrhundert. Auf einer Aufschüttung oberhalb der Werse wurden einige Holzbauten errichtet. Da die Gebäude sehr klein waren und auch die Ausrichtung nicht passt, deutet hier nichts auf eine Kirche hin.

Um 1050 wurde dann aber in Albersloh - bereits an der Stelle des heutigen Gotteshauses - schon die erste steinerne Kirche errichtet, vermutlich als Eigenkirche der Familie Albrecht. Der Turm dürfte im Westen gelegen haben. Durch Grabungsfunde lassen sich Teile des Grundrisses dieser ersten Kirche aus dem 11. Jahrhundert (orange) im Plan der heutigen Kirche darstellen.

Gegen 1150 wurde eine neue steinerne Kirche (im Plan dunkelgrau) errichtet, da das alte Gebäude wohl aufgrund kriegerischer Auseinandersetzungen zerstört wurde. Gebaut wurde eine "Saalkirche" mit einer flachen Holzdecke. Nur die Apsis mit dem darüberliegenden Glockenturm ragte heraus. Eine Besonderheit dieser Kirche ist die Ähnlichkeit zum Kaiserdom Lothars III. in Königslutter. Auch dort gibt es - anders als bei den allermeisten Kirchen im Münsterland - einen achteckigen Chorturm im Osten. Von dieser alten Kirche aus dem 12. Jahrhundert ist das historische Portal (im Plan gelb) bis heute erhalten. Es wurde beim Neubau der Kirche als Eingangsportal an der Nordseite wiederverwendet.

Im Jahr 1230 ging die Kirche in das Eigentum des Bistums Münster über, das auch die Bezahlung der Priester übernahm. Für die Christen der Umgebung wurde sie zur Gemeindekirche. So wurde auch ein Taufstein zur Annahme des christlichen Glaubens aufgestellt. Dieses erhalten gebliebene historische Taufbecken ist bis heute der Taufort der katholischen Christen in Albersloh. Vermutlich erhielt die Kirche auch im 13. Jahrhundert das Patrozinium des heiligen Ludgerus.

Liudger, friesischer Missionar und erster Bischof von Münster

Liudger wird um 742 bei Utrecht in Friesland geboren. Seine Familie ist bereits in der dritten Generation christlich. Mit 12 Jahren begegnet er dem berühmten Missionar Bonifatius, der noch im Greisenalter von 80 Jahren unterwegs war, die Friesen zum Christentum zu bekehren.

Von Alkuin, dem führenden Hofgelehrten Karls des Großen, erhält Liudger eine gründliche theologische Ausbildung. 767 wird er zunächst zum Diakon, 777 dann (in Köln) zum Priester geweiht. Im Auftrag Karls des Großen lässt er sich in das Projekt zur Christianisierung der Sachsen einbinden.

Diese Sachsenmission ist immer wieder von Rückschlägen und zerstörten Kirchen begleitet. Anders als Karl der Große will Liudger die Sachsen aber durch Überzeugung und nicht durch Feuer und Schwert für den christlichen Glauben gewinnen.

793 sendet Karl der Große Liudger ins Münsterland. In Mimigernaford gründet er ein Kloster (lateinisch "Monasterium"), von dem sich der spätere Name der Stadt Münster ableitet. Am 30. März 805 wird Liudger dann in Köln zum ersten Bischof von Münster geweiht.

Er gründete zahlreiche Pfarrgemeinden, ließ etwa 20 Kirchen erbauen (darunter auch den Paulusdom in Münster), gründete eine Domschule und einige Klöster. Zwei Dinge erledigte er immer persönlich: Die Spendung der Firmung und regelmäßige Besuche in den Pfarrgemeinden.

Im Jahre 809 beginnt ihn eine Krankheit zu schwächen. Doch Liudger arbeitet bis zum Schluss, predigt noch am Tag vor seinem Tod in Coesfeld, bevor er dann am Morgen des 26. März 809 in Billerbeck stirbt. Auf seinen Wunsch hin wird er im Kloster von Essen-Werden, das er selbst gegründet hat, beigesetzt. Der Sterbeort Billerbeck, die Bischofsstadt Münster und die Grabstätte in Essen-Werden sind bis heute die Hauptorte der Verehrung des heiligen Ludgerus.

 
Die weitere Baugeschichte der Kirche

Ab dem Jahr 1250 wurde die Kirche großzügig erweitert. Erst 1370 war das Gebäude fertiggestellt (hellgrau im Plan). Es wurde ein aufwändiges Gewölbe auf das neue Hauptschiff gesetzt. Der Turm wurde höher gebaut. In der Rückwand des Altarraumes befand sich ein Fenster.

Drastisch steigende Einwohnerzahlen in Albersloh ab dem Ende des 19. Jahrhunderts führten dazu, dass man die Kirche 1964 (grün im Plan) nochmals erweitert hat. Zwei asymmetrische Seitenanbauten sorgten für viele neue Sitzplätze. Das Zweite Vatikanische Konzil sorgte zudem für eine veränderte Innengestaltung. Der eigentlich geplante Hochaltar in der Rundung des Altarraumes wurde nicht mehr benötigt, so dass die Wand dort ohne Schmuck und Fenster blieb.

Es warten neue Herausforderungen

Seit mittelalterlicher Zeit ist man in Albersloh einen Weg gegangen, der im Sinne der Denkmalpflege beispielhaft ist. Man hat vorhergehende Kirchbauten nie vollständig vernichtet, sondern hat sie sinnvoll in Neubauten einbezogen. So kann man bis heute die historische Entwicklung am Gebäude gut nachvollziehen.

Jetzt - im Jahr 2018/19 ist eine Erneuerung der Innengestaltung der Kirche wieder einmal überfällig. Doch nicht nur eine Ausbesserung der Wände, ein Anstrich und die Erneuerung von Beleuchtung und Elektrik ist dringend notwendig. In Anbetracht der drastisch zurückgehenden Kirchenbesucherzahlen musste über die Anzahl der Sitzplätze und die Anordnung des Altarraumes neu nachgedacht werden.

Die Planungen in Abstimmung mit dem Bischöflichen Generalvikariat sind bereits weit gediehen. In der ersten Julihälfte 2018 fanden Gemeindeversammlungen in Albersloh statt, auf denen das neue Konzept vorgestellt wurde. Damit Sie sich selbst ein Bild machen können, bieten wir die beiden gezeigten Präsentationen hier zum Download an: